TL;DR. Shopware vs Magento ist 2026 keine Frage mehr nach Open-Source-Lager, sondern nach Roadmap und Total Cost of Ownership. Shopware vs Magento unterscheidet sich in Plugin-Ökosystem, B2B-Stärke und Hosting-Modell. Wir zeigen, wann Shopware vs Magento klar zugunsten von Shopware kippt und in welchen Enterprise-Konstellationen Adobe Commerce noch die bessere Wahl bleibt.
Die Frage 'Shopware oder Magento?' bekommen wir jede Woche. Oft von Betreibern die mit Magento arbeiten und neu bewerten. Oder von Gründern die beide Namen schon hundertmal gehört haben und nicht wissen wo die Unterschiede liegen. Die ehrliche Antwort: Beide Plattformen spielen auf hohem Niveau. Aber Magento ist nicht mehr dasselbe wie vor drei Jahren. Und Shopware ist längst nicht nur die lokale Alternative. Wir bauen seit über 10 Jahren Shopware-Projekte und begleiten regelmäßig Kunden die zuvor mit Magento gearbeitet haben. Hier ist was wir dabei gelernt haben.
Inhalt
- Die Architektur: Worin liegt der Unterschied?
- Kosten im Vergleich: Was kostet was wirklich?
- Community und Support: Wo findest du Hilfe?
- Zukunftssicherheit: Wie geht es weiter?
- Migration: Was brauchst du zum Umstieg?
- Für wen passt welche Plattform?
Die Architektur: Worin liegt der Unterschied?
Magento und Shopware sind unterschiedlich gewachsen. Magento entstand 2008 als Open-Source-Projekt und wurde 2015 von eBay, dann 2018 von Adobe gekauft. Adobe Commerce (ehemals Magento Enterprise) ist seitdem Closed-Source und proprietär. Die Open-Source-Variante Magento Open Source existiert zwar noch, wird aber minimal gepflegt. Das ist ein wichtiger Punkt: Magento Open Source ist nicht "der freie Magento", sondern eher ein verwaistes Legacy-Produkt.
Shopware ist anders aufgebaut. Das Unternehmen sitzt in Hannover, die Plattform ist Open-Source (MIT-Lizenz) und modular. Das heißt: Es gibt eine Community Edition (kostenlos, selbst gehostet), plus Cloud-Varianten (SaaS und PaaS). Alle Versionen nutzen die gleiche Basis-Architektur. Es gibt keinen großen Bruch zwischen "kostenfrei" und "Enterprise".
Adobe Commerce ist für große internationale Konzerne gedacht. Der Fokus liegt auf North America und globale Deployments. Die Plattform hat alles was ein riesiger Shop braucht: Multimillion-Kataloge, komplexe B2B-Logik, APIs überall. Aber das Paket ist teuer und erfordert ein gut dotiertes Tech-Team.
Shopware ist für europäischen Mittelstand und größere Hidden Champions gemacht. Die B2B-Funktionen sind gut, aber du brauchst die richtige Lizenzstaffeln (ab Stufe Rise). Die Developer Experience ist moderner: Die API ist RESTful und GraphQL-ready, das Admin-Interface nutzt Vue 3, Plugins lassen sich einfacher schreiben.
Vereinfacht: Magento ist ein Monolith mit viel Konfigurierbarkeit. Shopware ist modular und API-first. Bei Shopware läuft das Admin-UI und der Storefront-Code physisch getrennt. Das macht Updates einfacher, aber auch komplexer wenn du Custom-Code brauchst.
Kosten im Vergleich: Was kostet was wirklich?
Das ist die Frage die zuerst kommt. Und die häufigste falsche Antwort ist: "Shopware rechnet sich langfristig weil es Open-Source ist."
Lass mich ehrlich sein: Das stimmt für die meisten Projekte nicht.
Die vier Kostendimensionen
Beide Plattformen haben vier Kostenkomponenten:
| Komponente | Shopware | Adobe Commerce |
|---|---|---|
| Lizenz | kostenlos (Community) oder ab X+ EUR/Jahr (Cloud, zum aktuellen Zeitpunkt anfragen) | deutlich höher, individuell verhandelt |
| Hosting | self-hosted oder ab X+ EUR/Monat (PaaS, zum aktuellen Zeitpunkt anfragen) | included, Enterprise-Preise |
| Entwicklung | ab 40.000+ EUR (je nach Umfang) | ab 60.000+ EUR (meist höher) |
| Betrieb & Support | ab 5.000+ EUR/Jahr | deutlich höher |
Was sagt uns das? Die Lizenz ist nicht das teuerste.
Bei Shopware Community Edition sparst du die Lizenzgebühren. Aber dafür zahlst du für Hosting (wenn nicht bei dasistweb oder ähnlicher Agentur), für 24/7 Support, für Sicherheits-Updates, für Ausfallsicherheit. Die Gesamtkosten auf 3 Jahre sind oft höher als erwartet. Bei Adobe Commerce ist der Startpreis höher, aber die Gesamtkosten nicht unbedingt.
Die echte Ersparnis bei Shopware kommt woanders: Bei individueller Entwicklung ist es oft günstiger. Ein Shopware-Plugin kostet weniger als ein Magento-Extension weil die Architektur zugänglicher ist. Und bei headless Projekten (Frontend und Backend getrennt) ist Shopware stark weil du die Admin-UI nicht anfasst.
Echte Zahlen aus der Praxis
Ein typisches mittleres Projekt bei uns sieht so aus:
Shopware Cloud (SaaS/PaaS):
- Lizenz: ab X+ EUR/Jahr (zum aktuellen Zeitpunkt bei Shopware anfragen)
- Entwicklung: ab 80.000+ EUR (Relaunch)
- Betrieb: ab 5.000+ EUR/Jahr
- 3-Jahres-TCO: ab 130.000+ EUR
Adobe Commerce:
- Lizenz: deutlich höher als Shopware, individuell verhandelt
- Hosting: included, aber Enterprise-Preisniveau
- Entwicklung: ab 120.000+ EUR (höhere Komplexität)
- Betrieb: deutlich höher als bei Shopware
- 3-Jahres-TCO: Vielfaches der Shopware-Variante
Das ist ein realistischer Unterschied. Aber Achtung: Das setzt voraus dass du bei Shopware mit einer Agentur arbeitest die das effizient macht. Wenn du einen Junior mit Shopware alleine lässt, kann die Entwicklung teurer werden als mit Adobe Commerce und einem erfahrenen Team.
Unser Tipp: Vergleiche nicht Plattform gegen Plattform, sondern Agentur gegen Agentur. Die beste Plattform hilft dir nicht wenn das Team daneben liegt.
Community und Support: Wo findest du Hilfe?
Das ist der Punkt wo sich beide Plattformen fundamental unterscheiden.
Magento/Adobe Commerce hat eine globale Community, aber sie wird kleiner. Magento 1 ist 2020 End of Life gegangen, Magento 2.3 folgte. Wer noch auf alten Versionen läuft, findet weniger aktive Support. Die lebendige Community sitzt in den USA, fokussiert auf Adobe Commerce (das gekaufte Produkt, nicht die Open-Source-Variante). Stack Overflow ist voll mit Magento-Fragen, aber viele sind alt. Neue Probleme bekommst du schneller gelöst wenn du Adobe Support zahlst.
Shopware hat eine starke europäische Community, besonders im deutschsprachigen Raum. Das ist kein Nachteil, das ist ein Vorteil wenn du in Deutschland oder Österreich sitzt. Die Dokumentation ist auf Deutsch gut. Es gibt hunderte deutsche Agenturen die Shopware bauen. Stack Overflow und GitHub sind aktiv. Die Shopware Community Slack hat tausende Entwickler. Und wenn du ein Problem mit Shopware 6 hast, antwortet oft jemand am selben Tag.
Adobe Commerce solltest du nicht einsetzen wenn du nicht bereit bist für Adobe Support zu zahlen. Das ist eine wichtige Realität. Adobe Commerce funktioniert zwar theoretisch auch ohne Vertrag, aber praktisch brauchst du Zugang zu Adobe-Docs, zu Security-Updates und zu Extensions die nur für Adobe-Kunden freigegeben sind.
Magento Open Source ist ein Waisenprodukt. Es wird gewartet, aber nicht entwickelt. Neue Features? Vergiss es. Security-Updates sind oft ein paar Wochen nach Adobe Commerce verfügbar. Agenturen die noch Magento Open Source bauen sind meist kleinere, spezialisierte Teams. Und ja, es gibt sie noch, aber die Zukunft ist dünn.
Zukunftssicherheit: Wie geht es weiter?
Magento wird von Adobe definiert. Adobe investiert in Adobe Commerce, macht jedes Jahr neue Features (die Editions-Strategie mit Starter, Pro, Enterprise). Aber Adobe ist ein SaaS-Unternehmen, keine Commerce-Agentur. Wenn Commerce nicht in Adobes Top 3 Prioritäten ist, spüren das die Kunden.
Shopware investiert schwer in die eigene Roadmap. Die nächsten Versionen (7.0 und darüber) sollen noch modularer werden, mit besserer Headless-Unterstützung. Die Shopware Composable Commerce Initiative (Teil des Shopware Ecosystem) zielt darauf ab dass du Module von verschiedenen Anbietern kombinierst, nicht nur Shopware. Das ist ein langfristiges Spiel, kein Hype.
Ein kritischer Punkt bei Magento: Die Versionszahl ist hoch (2.4.x), aber die Versionen kommen näher zusammen. 2.4.6 und 2.4.7 unterscheiden sich kaum. Adobe verlangsamt die Entwicklung bewusst um Enterprise-Kunden nicht zu überfordern. Das heißt: Große neue Features kommen seltener.
Bei Shopware sind die Releases größer. Shopware 5 zu 6 war ein großer Sprung (2018). Jetzt läuft der Release-Zyklus schneller. Das kann nervig sein wenn du Updates fahren musst, aber es zeigt dass die Plattform lebend ist.
Migration: Was brauchst du zum Umstieg?
Das ist oft die größte Angst. "Was kostet es Magento zu Shopware zu migrieren?"
Die ehrliche Antwort: Verdammt viel kann schiefgehen. Aber es ist möglich.
Magento zu Shopware ist kein 1:1-Prozess. Magento-Datenstrukturen sind anders als Shopware-Datenstrukturen. Custom Code läuft nicht einfach über. Wie wir Replatforming-Projekte angehen, erklären wir in unserem Leistungsbereich. Du brauchst ein paar Sachen:
1. Datenmigration. Produkte, Kategorien, Bestellungen, Kunden. Das ist 30-40% der Arbeit. Tools wie data360 oder custom ETL helfen, aber es geht nicht ohne Manual-Work.
2. Custom Extensions neu schreiben. Wenn du in Magento Extensions hast (Payment-Provider, Warehouse-Integration, Custom-Admin-Logik), musst du die für Shopware anpassen. Das kostet Zeit.
3. Design und UX überdenken. Das ist auch eine Chance. Nicht "Magento 1:1 in Shopware", sondern "was kann Shopware besser?"
Realistischer Aufwand:
- Kleine Migration (50-100 Produkte, keine Custom Extensions): 8-16 Wochen
- Mittlere (500-5000 Produkte, 2-3 Extensions): 16-24 Wochen
- Große (10k+ Produkte, komplexe B2B, 5+ Extensions): 24-40 Wochen
Das ist nicht weil Shopware schlecht ist, sondern weil "Migration" immer Data-Cleaning ist. Daten die in Magento 10 Jahre lang falsch strukturiert sind, sind auch nach der Migration falsch strukturiert. Die Chance ist: Bei der Migration machst du sie richtig.
Migrationsstrategie: Die meisten erfolgreichen Migrationen folgen diesem Plan: Neue Shopware parallel aufbauen, alte Magento laufen lassen. Dann Datum X: Cutover. Nach 4-6 Wochen: Alte Magento abschalten. Das kostet extra, senkt aber das Risiko dramatisch.
Für wen passt welche Plattform?
Shopware ist die bessere Wahl wenn du:
- In Deutschland, Österreich oder der Schweiz sitzt und dort dein Kundensupport ist
- Mit B2B-Anforderungen fährst (individuelle Preisen, Kundengruppen, Freigabeprozesse)
- Modulare, flexible Architektur brauchst ohne dass es zu Enterprise-Komplexität wird
- Mit einer deutschen oder deutschsprachigen Agentur zusammenarbeiten möchtest
- Headless Commerce überlegst (Frontend und Backend trennen)
- Open-Source und Kontrolle über deinen Stack schätzt
Adobe Commerce ist die bessere Wahl wenn du:
- Global (mehrere Länder, Währungen, Sprachen) startest
- Extrem hohe Transaktionszahlen hast (100k+ Daily Orders)
- Bereits im Adobe Ecosystem sitzt (Marketing Cloud, Analytics, etc.)
- Enterprise-Support und SLAs brauchst
- Bereit bist für höhere Kosten im Austausch für "alles included"
Magento Open Source ist nicht mehr zu empfehlen. Punkt. Wenn du drauf sitzt, ist das OK, aber für Neuprojekte: nein.
In unseren Projekten mit Shopware seit 2012 sehen wir regelmäßig, dass Shops die von Adobe Commerce oder Magento zu Shopware wechseln, nach der Migration deutlich niedrigere Betriebskosten haben. Die Entwicklung ist schneller, das Plugin-Ökosystem passt besser zum deutschen Markt.
Fazit: Die Plattform ist nicht die Entscheidung
Im Vergleich Shopware vs Magento zählt am Ende nicht die Feature-Liste, sondern dein Marktfokus und dein Team. Shopware und Adobe Commerce sind keine gegensätzlichen Systeme. Beide bauen gute Shops. Der Unterschied ist nicht Funktion, sondern Fokus. Adobe Commerce ist globales Großunternehmen-Handwerk. Shopware ist europäischer Mittelstand mit Enterprise-Ambition.
Die entscheidende Frage ist nicht "Shopware oder Magento?" sondern "Was brauchst du und mit wem willst du es bauen?" Wir beraten ehrlich. Wenn Adobe Commerce für dein Projekt besser ist, sagen wir das. Aber es gibt nicht viele Projekte wo wir das sagen. Shopware hat einfach den besseren Cost-to-Benefit-Ratio für den deutschen Markt.
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