"Wir brauchen B2B" ist eine der häufigsten Anforderungen in unseren Gesprächen. Und danach folgt die wichtigste Klarstellung: B2B ist nicht gleich B2B. Es gibt ein Spektrum. Und Shopware B2B Features sind nicht von Haus aus überall verfügbar, sondern an Lizenzstufen gebunden.
Wir bauen seit Jahren B2B-Portale mit Shopware. Mit individuellen Preisen, Freigabeprozessen, reservierten Mengen und ERP-Anbindungen. Hier ist, was die Shopware B2B Suite wirklich kann. Und auf welcher Lizenzstufe welche Features live gehen.
Hinweis: Wir setzen die Shopware B2B Suite nicht in jedem Projekt ein. Aber wir wissen was sie kann und wo ihre Grenzen liegen. Das zeigen wir dir hier.
Inhalt
- B2B ist ein Spektrum
- Was die Shopware B2B Suite ist (und was nicht)
- Feature-Übersicht nach Lizenzstufen
- Level 1: Geschäftskunden, die mehr kaufen
- Level 2: Kundengruppen-Preise und Kataloge
- Level 3: Individualisierte B2B-Logik
- Wann Shopware für B2B reicht, wann nicht
- Typische B2B-Anforderungen und wie Shopware sie löst
- Fazit
B2B ist ein Spektrum
Das erste Missverständnis: "B2B" ist nicht eine klare Grenzlinie. Es ist ein Spektrum mit drei deutlich unterschiedlichen Komplexitätsstufen.
Level 1: Einfaches B2B. Ein paar Geschäftskunden bestellen regelmäßig, kaufen größere Mengen. Sie brauchen einen Login, vielleicht ein paar rabattierte Preise. Beide Plattformen, Shopify und Shopware, können das problemlos. Ein Kundenkonto mit reduzierten Preisen, fertig.
Level 2: Strukturiertes B2B. Mehrere Kundengruppen mit unterschiedlichen Preisen. Jede Kundengruppe sieht andere Produkte oder andere Kataloge. Preisbrecher nach Menge. Das ist schon komplexer, wird aber von beiden Plattformen gut gelöst. Shopify Plus hat das, Shopware auch.
Level 3: Individualisierte B2B-Logik. Jeder Kunde kriegt eigene Preise. Es gibt Freigabeprozesse bevor eine Bestellung läuft. Bestimmte Produkte sind für bestimmte Kunden reserviert. Das System muss an ein ERP angebunden sein. Das ist ein anderes Spiel. Hier zeigt Shopware seine Stärke.
Das wichtigste zuerst: Wenn du auf Level 1 oder 2 bist, brauchst du nicht unbedingt Shopware. Und du solltest dich nicht vom Begriff "B2B Suite" verwirren lassen. Das ist ein Marketing-Label für ein Bundle von Features, kein Allheilmittel.
Was die Shopware B2B Suite ist (und was nicht)
Die Shopware B2B Suite ist ein Feature-Bundle. Das klingt abstrakt, deshalb konkret: Es ist eine Sammlung von Apps und Modulen die es in den höheren Lizenzstufen (Rise, Evolve, Enterprise) gibt. Nicht von Haus aus in jeder Installation, sondern an die Lizenz gebunden.
Was es konkret enthält:
- Erweitertes B2B-Modul für Kundengruppen, Preislogik, Kataloge
- B2B-Komponenten im Frontend (Bestelllisten, Schnellbestellung, etc.)
- Integration mit dem Order-Management-System
- API-Zugriff für individuelle B2B-Logik
Was es NICHT enthält:
- Automatische ERP-Anbindung. Das musst du selbst bauen oder von jemandem bauen lassen.
- Freigabeprozesse im Kern. Es gibt Ansätze, aber das ist keine Funktionalität, die von Haus aus enthalten ist.
- Reservierungs-Logik für Lager. Du kannst das bauen, aber es ist nicht mitgeliefert.
- KI-Preisoptimierung oder ähnliche Extras.
In unseren Projekten mit ARMEDANGELS, Fischer Sports und anderen Kunden bauen wir das, was die Suite nicht kann, selbst. Mit eigenen Apps, API-Erweiterungen und gezielter Geschäftslogik. Das ist auch der Grund warum Shopware für Level 3 B2B die bessere Wahl ist als Shopify Plus. Weil Shopware das Fundament gibt und du alles andere drauf setzen kannst ohne gegen eine Plattformgrenze zu stoßen.
Feature-Übersicht nach Lizenzstufen
Das ist entscheidend und oft missverstanden: B2B-Features sind nicht in der kostenlosen Community Edition vorhanden. Und auch nicht in der Standard Edition. Sie beginnen in der Rise Edition.
| Feature | Community | Standard | Rise | Evolve | Enterprise |
|---|---|---|---|---|---|
| Customer-Accounts | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja |
| Kundengruppen-Preise | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja |
| Einfache Kundengruppen | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja |
| B2B Modul / erweiterte Kundengruppen | Nein | Nein | Ja | Ja | Ja |
| Multiple Kataloge | Nein | Nein | Ja | Ja | Ja |
| Kategoriebasierter Zugriff | Nein | Nein | Ja | Ja | Ja |
| Schnellbestellformular | Nein | Nein | Ja | Ja | Ja |
| Bestelllisten-Funktion | Nein | Nein | Ja | Ja | Ja |
| API-Zugriff für B2B-Logik | Nein | Nein | Ja | Ja | Ja |
Was bedeutet das konkret? In der Community Edition oder Standard Edition kannst du einfache Kundengruppen mit unterschiedlichen Preisen abbilden. Das ist Level 1 oder Level 2 B2B. Ab Rise Edition hast du die echte B2B-Infrastruktur mit Katalogen, Multi-Storefront-Features und API-Zugriff zum Bauen von komplexer Logik.
Die Rise Edition startet zum aktuellen Zeitpunkt ab 600+ EUR/Monat, Evolve ab 2.400+ EUR/Monat. Das ist ein nicht unerheblicher Kostenfaktor und sollte in die Anforderungsanalyse einfließen.
Level 1: Geschäftskunden, die mehr kaufen
Das ist die einfachste Variante. Ein paar reguläre B2B-Kunden, die über ihr Account bestellen, größere Mengen abholen, vielleicht einen Mengenrabatt kriegen.
Was du brauchst:
- Kundenkonten (jede Shopware Edition hat das)
- Kundengruppen mit reduzierten Preisen
- Vielleicht ein paar spezielle Informationen im Kundenprofil (Umsatzsteuer-ID, Rechnungsadresse unterschiedlich von Lieferadresse)
Das ist kein B2B-Suite-Problem, das ist Standard E-Commerce. Jede Shopware Installation, selbst die Community Edition, kann das. Du konfigurierst Kundengruppen, legst Preisregeln fest, fertig.
Wann Level 1 reicht: Du hast maximal einige hundert B2B-Kunden, die preislich ähnlich behandelt werden, keine speziellen Kataloge brauchen, und wo Bestandsverwaltung nicht kritisch ist. Fischer Sports zum Beispiel hat einfache Kundengruppen für Einzelhandelsketten, aber ihre komplexe Logik (reservierte Mengen, ERP-Anbindung) lebt in Level 3.
Kosten dafür: Keine zusätzlichen. Das ist in jeder Lizenz mitenthalten. Du brauchst nur die Konfiguration und minimal individuelle Entwicklung wenn es spezielle Anforderungen gibt.
Level 2: Kundengruppen-Preise und Kataloge
Hier wird es interessanter. Du hast mehrere Kundengruppen mit grundlegenden Unterschieden. Zum Beispiel: Distributoren sehen andere Produkte als Wiederverkäufer. Oder: Menge X kostet Y EUR, Menge X+1 kostet Z EUR. Du brauchst strukturierte Kataloge.
Was neu hinzukommt:
- Mehrere Preislisten je Kundengruppe (nicht nur ein Faktor, sondern völlig unterschiedliche Preise)
- Kategoriebasierter Zugriff (Kundengruppe "Distributoren" sieht nur bestimmte Kategorien)
- Preisregeln nach Menge und Kundengruppe
- Separate Kataloge pro Kundengruppe
Das klingt einfach, wird aber schnell komplex weil die Datenpflege aufwändig wird. Wenn du hunderte Produkte hast und jede Kundengruppe andere Preise braucht, brauchst du eine gute PIM-Integration oder ein skriptgesteuertes System das die Preise aus deinem ERP schiebt.
Wann Level 2 reicht: Du hast 3 bis 10 klar unterschiedliche Kundengruppen, jede mit eigenem Pricing und Produktkatalog, aber nicht mit individuellen Preisen pro Kunde. Schöffel zum Beispiel arbeitet mit mehreren Kundengruppen und Preisebenen, aber die Struktur ist konsistent.
Kosten dafür: Level 2 brauchst du nicht unbedingt die Rise Edition. Du kannst viel mit Standard Edition bauen, wenn du individuelle Logik akzeptierst. Aber Level 2 richtig umzusetzen ist ein Projekt. Mit PIM-Integration, Preislogik, Datenmigration. 50.000+ EUR ist realistisch für eine vollständige Implementierung.
Level 3: Individualisierte B2B-Logik
Das ist der Punkt wo es richtig ernst wird. Nicht "mehrere Kundengruppen mit Standardpreisen", sondern "jeder Kunde kriegt individuelle Preise und das System muss an das ERP angebunden sein."
Was hinzukommt:
- Individuelle Preise pro Kunde (nicht pro Kundengruppe, sondern pro Account)
- Freigabeprozesse (ein B2B-Kunde kann nicht einfach bestellen, sondern muss eine Bestellung freigeben lassen oder braucht vorherige Genehmigung)
- Reservierte Mengen im Bestand (wir reservieren für Kunde X 100 Stück von Produkt Y, andere Kunden können das nicht kaufen)
- ERP-Integration für Preise, Bestand, Bestellungen
- Zahlungsfristen und Bonitäts-Management
- Bestellverlauf und Nachbestellungs-Logik
Jetzt brauchst du Rise oder höher. Nicht weil die Funktionen magisch entstehen, sondern weil du einen starken API-Zugriff brauchst um diese Logik zu bauen. Rise Edition gibt dir die Infrastruktur, Rise + individuelle Entwicklung gibt dir das System.
Wann Level 3 nötig ist: Du hast Dutzende oder Hunderte von B2B-Kunden, jeder mit individuellen Bedingungen, dein Lager ist geschäftskritisch und muss mit dem ERP synchronisiert sein. Melitta arbeitet auf diesem Level. Die Wortmann Group auch. Das ist kein einfaches Setup.
Kosten dafür: Das ist jetzt ein echtes Projekt. Rise Edition (zum aktuellen Zeitpunkt ab 600+ EUR/Monat) plus Entwicklung. Für eine vollständige Implementierung mit ERP-Integration, Freigabeprozessen und Reporting rechnest du mit 150.000+ EUR Development. Und laufende Wartung.
Wann Shopware für B2B reicht, wann nicht
Shopware ist sehr gut für B2B. Aber es ist nicht das Schweizer Messer das jedes Problem löst.
Shopware reicht für B2B wenn:
- Du auf Level 1 oder 2 bist (Kundengruppen, Kataloge, Standardpreise)
- Deine Kundenbasis überschaubar ist (unter 1.000 B2B-Kunden)
- Du ERP-Integration brauchst, aber nicht in Echtzeit (täglicher Batch ist OK)
- Du Freigabeprozesse brauchst, aber kein komplexes Workflow-System
- Du individuelle Entwicklung akzeptierst und ein Budget dafür hast
Shopware reicht NICHT für B2B wenn:
- Du Tausende B2B-Kunden mit völlig unterschiedlichen Preisen hast und das in Echtzeit mit dem ERP synchronisiert sein muss
- Du komplexe Freigabeprozesse mit mehrstufiger Genehmigung brauchst (Ein Einkäufer fragt an, ein Budgetverantwortlicher genehmigt, ein CFO akzeptiert)
- Dein Geschäftsmodell auf Vermittler-Logik aufbaut (du hast Lieferanten mit jeweils eigenen Preisen, bindest die zusammen, verkaufst mit eigener Marge)
- Du echte "Marktplatz"-Logik brauchst mit mehreren Verkäufern
In diesen Fällen brauchst du entweder eine spezialisierte B2B-Plattform (wie Tradeshift oder ähnliche) oder du baust auf einer Headless-Architektur mit commercetools, wo die B2B-Komplexität in eigenen Services läuft.
Typische B2B-Anforderungen und wie Shopware sie löst
Lass mich die häufigsten Anforderungen aus unseren Projekten durchgehen und zeigen wie Shopware sie adressiert.
Anforderung: "Jeder Kunde soll andere Preise sehen"
Das bauen wir mit individueller Logik auf der Shopware API. Wenn sich ein Kunde anmeldet, laden wir seine individuellen Preise aus dem ERP, cachen die, und rendern die Kataloge damit. Das ist nicht trivial, aber machbar. Die Wortmann Group arbeitet genau so.
Anforderung: "Wir brauchen Freigabeprozesse für größere Bestellungen"
Shopware hat kein eingebautes Freigabe-System. Aber wir bauen das mit eigenen Apps. Ein Kunde legt eine Bestellung an, sie landet im Status "pending_approval", ein zuständiger Mitarbeiter des Kunden genehmigt, dann wird sie automatisch zum Checkout weitergeleitet oder direkt aus dem System ans ERP geschickt. ARMEDANGELS nutzt so ein System.
Anforderung: "Wir müssen Mengen reservieren können"
Auch individuell. Ein Distributor soll wissen dass von Produkt X nur noch 50 Stück für ihn reserviert sind. Das bauen wir mit Bestandserweiterungen, die reservierte Mengen verfolgen und den verbleibenden Lagerbestand berechnen. Fischer Sports hat so etwas.
Anforderung: "ERP-Anbindung muss sein"
Das ist deine größte Investition. Nicht Shopware, sondern die ERP-Integration. Preise müssen rein, Bestand muss raus, Bestellungen müssen in das ERP, Rechnungen müssen zurück. Das ist API-Arbeit, Message-Queues, Daten-Transformationen. 50.000+ EUR ist normal. Aber Shopware gibt dir die Infrastruktur (API, Message Queue, Plugins) um das zu bauen.
Anforderung: "Bestellverlauf, Rechnungen, Zahlungsfristen verfolgen"
Das ist meistens in einem ERP-System vorhanden und du musst es in Shopware spiegeln. Nicht Shopware selbst das gut macht, sondern deine Integration.
Alternative: b2b-sellers.com
Wenn du ein reines B2B-Projekt planst und eine spezialisierte Lösung suchst, ist b2b-sellers.com einen Blick wert. Das ist eine auf B2B-Commerce ausgerichtete Plattform, die viele Anforderungen aus Level 2 und Level 3 von Haus aus mitbringt, ohne dass du alles selbst bauen musst. Kein Partner von uns, aber eine relevante Alternative die du bei der Plattform-Entscheidung kennen solltest. Wenn dich das interessiert und du nicht weißt ob das oder Shopware für dein Projekt passt, ruf uns an. Wir helfen dir dabei.
Fazit: Die richtige Stufe treffen
Shopware B2B Suite ist stark für Level 1 und Level 2 B2B. Mit individueller Entwicklung kann Level 3 auch gehen. Aber du musst realistisch sein: Es ist ein Projekt, es kostet Geld, und es braucht Leute die es bauen und später warten.
Der häufigste Fehler ist dass Firmen denken "B2B Suite" ist ein Setup das einfach funktioniert. Ist es nicht. Es ist ein Framework, eine API, ein Satz Features. Was der Shop dann konkret kann, bestimmt deine Entwicklung.
Bevor du dich für Shopware entscheidest, kläre auf welchem Level du wirklich bist. Level 1 können andere Plattformen auch. Level 3 braucht echte Tiefe, dafür ist Shopware gut.