Commercetools ist nicht Shopware. Nicht Shopify. Nicht WooCommerce. Die Plattform braucht andere Kompetenzen, ein anderes Mindset. Und keine klassische Full-Service-Agentur beherrscht das einfach nebenbei.
Wir sehen das immer wieder: Agenturen die jahrelang Shopware-Projekte gebaut haben, kommen zu commercetools und scheitern. Nicht weil sie schlecht sind, sondern weil sie die Regeln für headless, API-first und MACH nicht verinnerlicht haben. commercetools ist ein anderes Spiel. Du brauchst dafür Frontend-Spezialist:innen, echte API-Erfahrung und ein Verständnis für Composable Architecture. Und genau das ist selten.
In diesem Guide zeigen wir dir worauf du bei der Agentur-Auswahl wirklich achten solltest. Was gut klingt aber nichts taugt. Und wie du die Agenturen erkennst die commercetools wirklich beherrschen.
Inhalt
- Gibt es DIE beste commercetools Agentur?
- Warum commercetools nicht wie andere Plattformen funktioniert
- Die häufigsten Fehler bei der Agentur-Auswahl
- Welche Kompetenzen eine commercetools-Agentur mitbringen muss
- Headless und Frontend: warum das genauso wichtig wie Backend ist
- Wie du gute commercetools-Partner erkennst
- Commercetools Agentur-Checkliste
Gibt es DIE beste commercetools Agentur?
Die kurze Antwort: Nein. Es gibt die richtige für deinen Case.
commercetools ist nicht Shopware, nicht Shopify, nicht WooCommerce. Du kaufst keine fertige Lösung, du baust Software. Das verlangt eine Agentur mit echter Frontend-Tiefe (React, Next.js, Nuxt), API-Erfahrung und Überblick über das gesamte MACH-Ökosystem (CMS, PIM, Suche, Payment-Orchestration). Wer dir "wir haben Shopware-Projekte gemacht, commercetools schaffen wir auch" sagt, liefert in der Regel ein Projekt, das 6 bis 12 Monate über der Timeline läuft.
Im Folgenden zeigen wir, warum commercetools andere Regeln hat als monolithische Plattformen, welche Kompetenzen eine echte commercetools-Agentur mitbringen muss und woran du Partner erkennst, die die Plattform wirklich beherrschen.
Warum commercetools nicht wie andere Plattformen funktioniert
Shopware ist ein Monolith, Shopify auch. Das heißt: Frontend und Backend sind zusammengewachsen. Du stellst ein Theme ein, packst deine Produkte rein, konfigurierst ein paar Dinge. Das System kümmert sich um den Rest.
commercetools ist das Gegenteil. Die Plattform ist nur das Backend: die Geschäftslogik, die API-Layer. Das Frontend (was dein Kunde sieht und nutzt) ist komplett losgelöst. Du brauchst einen separaten Storefront. Das kann Next.js sein, Nuxt, Vue, React, was auch immer. Das ist nicht eine optionale Konfiguration, sondern die Grundarchitektur.
Das hat Konsequenzen: Gute für große, komplexe Projekte, schlechte für alle die gedacht haben "wir klicken das zusammen wie in Shopify". Die Wahrheit: commercetools ist nur für Unternehmen die verstanden haben, dass sie Software entwickeln, nicht dass sie einen Shop "konfigurieren".
Dazu kommt das Ökosystem. commercetools ist der Kern, aber nicht das Ganze. Du brauchst typischerweise noch:
- Ein CMS für Content (Storyblok, Contentful, Sanity)
- Ein PIM für Produktdaten (Akeneo, syndigo, Precompose)
- Eine Such-Engine (Algolia, Elasticsearch)
- Vielleicht ein Personalisierungs-Tool
- Zahlungs-Provider
- Payment-Orchestration-Plattformen wie Spreedly
Das klingt komplex? Ja, aber es ist auch die Kraft von Composable Commerce. Du packst die besten Tools zusammen, nicht das beste Alles-in-Eins, sondern das beste für jeden Use-Case. Allerdings brauchst du dafür jemanden, der alle diese Teile zusammensetzen kann. Das ist nicht Standard-Agentur-Arbeit.
Die Marktgröße gibt das her. commercetools verwaltet 600+ globale Unternehmen, verarbeitet über 75 Milliarden USD an annualisiertem Volumen und orchestriert 140+ Millionen SKUs weltweit. Das ist Enterprise-Niveau. Das sind nicht kleine Shops auf AWS-Instanzen.
Die häufigsten Fehler bei der Agentur-Auswahl
Fehler 1: Die Agentur sagt "wir haben Shopware und Shopify gemacht, commercetools schaffen wir auch"
Nein. Das ist wie zu sagen "wir haben WordPress-Sites gebaut, also können wir euch auch eine Maschinen-Learning-Pipeline bauen". Die Toolsets sind zu unterschiedlich.
Viele Agenturen probieren es trotzdem. Das Ergebnis: späte Erkenntnisse dass das Team keine echte Headless-Erfahrung hat, dass React/Vue Skill nur Anfänger-Level ist, dass die API-Dokumentation von commercetools nicht ausreicht um "durchzunavigieren". Das Projekt läuft dann 6-12 Monate länger als geplant, kostet das Doppelte und der Business Case ist weg.
Fehler 2: Du findest eine Agentur die nur commercetools macht, aber null Erfahrung mit der sonstigen Architektur
Es gibt Spezial-Agenturen die nur commercetools kennen: keine CMS-Erfahrung, keine Frontend-Frameworks jenseits von "wir verwenden eine Vorlage", keine Payment-Integration. Das ist auch gefährlich. Du brauchst jemanden, der das Ganze sieht, nicht nur einen Layer.
Fehler 3: "Wir haben einen commercetools Partner-Status"
Der Partner-Status von commercetools bedeutet, dass die Agentur die Dokumentation gelesen hat und die Plattform kennt, nicht dass sie gut darin sind. Es gibt Bronze, Silver und Gold Partner. Bronze bedeutet erst mal nicht viel, Silver und Gold mehr. Aber auch Gold bedeutet nicht "wir haben 20+ erfolgreiche Projekte". Das musst du separat prüfen.
Fehler 4: Keine echte Frontend-Kompetenz
Das ist das häufigste Problem. Viele Agenturen nehmen einen Junior, geben ihm einen Next.js-Boilerplate und der hackt los. Sechs Monate später funktioniert das Ding, ist aber architektonisch ein Desaster, nicht aktualisierbar und schwer erweiterbar.
Du brauchst jemanden der:
- Next.js, Nuxt oder ähnliches kann (nicht nur theoretisch)
- Versteht wie API-First Frontend aussieht (nicht einfach eine API mit klassischem Template-Rendering kombiniert)
- Testing (Unit, Integration, E2E) als Pflicht sieht, nicht als optionales Extra
- Performance-Optimierung kann (commercetools-Storefronts sind schnell oder zu langsam, dazwischen gibt es nichts)
Fehler 5: "Das wird pauschal 80.000+ EUR kosten"
Wenn eine commercetools-Agentur dir einen pauschalen Preis nennt, bevor sie deine Anforderungen verstanden hat, lauf weg. commercetools-Projekte sind zu unterschiedlich. Der Unterschied zwischen "Single-Storefront auf Next.js mit 500 SKUs" und "Multi-Region Setup mit B2B, Personalisierung und Echtzeit-Sync zu SAP" ist nicht ein Faktor-2-Unterschied, das sind Faktor 5 bis 10.
Welche Kompetenzen eine commercetools-Agentur mitbringen muss
Lass mich konkret werden. Das sind die Non-Negotiables für eine gute commercetools-Agentur.
1. Echte MACH-Erfahrung
MACH steht für Microservices, API-first, Cloud-native, Headless. Das sind keine Buzzwords, das ist Architektur. Eine gute Agentur versteht:
- Wie man Services entkoppelt (nicht alles in einen Monolithen packt)
- Wie man mit APIs designt, nicht mit Datenbanken
- Wie man Fehlerbehandlung über Systemgrenzen hinweg macht
- Warum du einen API Gateway brauchst, nicht einfach alle Services direkt aufrufen kannst
- Wie man Tests schreibt wenn du keine direkten Datenbankzugriffe hast
Das klingt abstrakt? Dann frag die Agentur konkret: "Wie würdest du Product Sync zwischen PIM und commercetools designen, wenn die Daten in Echtzeit vorliegen sollen?" Wenn sie anfangen von Webhooks oder direkter Datenbank-Manipulation zu sprechen, verstehen sie MACH nicht.
2. Frontend-Framework-Expertise
Nicht PHP, nicht Java. Moderne Javascript-Frameworks. Mindestens 3-5 tiefe Projekte mit:
- Next.js oder Nuxt (oder beides)
- State Management (Redux, Pinia, Zustand)
- TypeScript (nicht einfach Javascript)
- Testing (Vitest, Jest, Cypress, Playwright)
Das ist kein "wir haben einen Frontend-Entwickler", sondern Team-Level Skill. Bei dasistweb haben wir 6+ Senior-Level Frontend-Spezialist:innen. Das ist der Maßstab.
3. API-Design-Verständnis
Die Agentur sollte verstehen:
- Wie eine gute API aussieht (REST, GraphQL, hypermedia)
- Wie man komplexe Queries optimiert
- Caching-Strategien (weil du den GraphQL-Endpoint von commercetools nicht jede Sekunde neu abfragen kannst)
- Rate Limiting und Backoff-Logik
- API-Versionierung
Frag die Agentur: "Wie würdest du das Katalog-Management für eine 50.000-SKU Produktseite designen, ohne dass commercetools dir die Requests wegbricht?" Gute Antwort: Caching, Filtering, Pagination, Pre-Rendering. Schlechte Antwort: "Wir fragen einfach ab."
4. commercetools-spezifisches Wissen
Die Agentur sollte:
- Die Datenmodelle verstehen (Products, Variants, Channels, Catalogs)
- Custom Types und Attributes sicher verwenden können
- State Machines und Workflows implementieren können
- Subscriptions und Events verstehen (nicht nur für Echtzeit-Updates, sondern auch für Entkopplung von Systemen)
Das ist nicht so tief wie ein Shopware-Plugin-Entwickler sein muss, aber tiefer als nur "die API-Dokumentation gelesen haben".
5. Ökosystem-Erfahrung
Ein guter commercetools-Partner sollte echte Integrations-Erfahrung haben mit:
- Mindestens 1-2 PIM-Systemen
- Mindestens 1-2 CMS-Plattformen
- Payment-Providern und Payment-Orchestration
- Such-Engines
- ERP oder SAP-Integration
Das ist nicht "wir kennen das Konzept", sondern "wir haben 3+ Projekte mit diesem Stack gebaut und wissen, wo die Fallstricke sind".
Headless und Frontend: Warum das genauso wichtig wie Backend ist
Das ist der Punkt, wo die meisten Agenturen scheitern. Sie denken commercetools ist Backend-Arbeit. Das stimmt. Aber 60% der Arbeit ist Frontend.
commercetools selbst ist eine Backend-Only-Lösung: Die Plattform hat keine Storefront, keine Admin UI, keine Verwaltung. Das heißt, du brauchst:
- Ein Frontend für Kunden (Storefront)
- Ein Dashboard für Admins um Produkte zu verwalten, Orders zu bearbeiten, etc.
Die meisten Agenturen unterschätzen das Admin-Dashboard komplett. Sie bauen eine Storefront und tun so, als ob Shopware oder ähnliches automatisch mitgeliefert wird. Das tut es nicht. Wer aktualisiert die Preise? Wer verwaltet die Kategorien? Wer stellt neue Kampagnen online? Das ist nicht ein CLI-Befehl in commercetools, sondern eine vollständige Applikation, die du bauen musst.
Das kostet Zeit. Oft 30 bis 40% des Gesamtprojekts. Wenn du das nicht einplanst, wird das Projekt bis zum Go-Live problemlos laufen, dann sagen Admins "ja, aber wie mache ich denn...?" und es stellt sich heraus, dass sie gar nichts selbständig machen können.
Gute commercetools-Agenturen bauen:
- Eine richtige Storefront (nicht ein Template, sondern architekturiert für die Anforderungen)
- Ein Admin-Dashboard mit allen kritischen Funktionen (nicht schick, aber funktional)
- Oder eine Integration zu bestehendem Admin-System (falls vorhanden)
Das erfordert echte Frontend-Skills. Nicht "ich habe schon HTML geschrieben", sondern jemand, der große, skalierbare React/Vue-Anwendungen baut.
Wie du gute commercetools-Partner erkennst
Frag nach Referenzen. Nicht nach Partner-Status.
Guter Partner: "Hier sind 5 Projekte die wir mit commercetools gebaut haben. Hier sind die Websites live. Hier kannst du mit den Kunden sprechen."
Schlechter Partner: "Wir sind Gold Partner."
Das sagt nichts. Gar nichts.
Schau dir die Webseite des Partners an.
Wie viel sprechen sie über commercetools? Haben sie einen Blog, eine Resources-Sektion, Fallstudien? Oder ist commercetools nur eine Zeile in einer langen Plattform-Liste?
Agenturen, die commercetools wirklich beherrschen, sprechen drüber. Sie schreiben Artikel, teilen Learnings und sind im commercetools Ökosystem aktiv.
Frag nach ihrem Tech-Stack.
Gute Antwort: "Wir nutzen Next.js oder Nuxt für Storefronts, TypeScript überall, Playwright für Testing und standardmäßig einen Edge-CDN wie Vercel oder Netlify für Performance."
Schlechte Antwort: "Das kommt drauf an, was der Kunde will" (rote Flagge für keine Standards) oder "wir nutzen einen PHP-basierten Ansatz" (absolut falsch für commercetools).
Frag nach ihrem letzten commercetools-Projekt
Wann war es? Wie groß war es? Was waren die größten Herausforderungen? Was würden sie anders machen?
Wenn die Agentur nicht schnell und detailliert antworten kann, haben sie nicht viele Projekte oder nicht gelernt.
Prüf, ob sie aktiv in der Community sind
Sind sie Mitglieder der MACH Alliance? Präsentieren sie auf Konferenzen? Schreiben sie in commercetools Forums oder Slack Communities? Das ist ein gutes Zeichen.
Commercetools Agentur-Checkliste
Nutze diese Checkliste um deine Agentur-Kandidat:innen zu evaluieren.
| Kriterium | Was heißt das? | Muss erfüllt sein |
|---|---|---|
| 3+ erfolgreiche commercetools Projekte | Im Portfolio nachweisbar, mit Referenzen | Ja |
| Echte MACH/Headless Erfahrung | Nicht nur Shopware/Shopify, sondern mehrere API-basierte Architekturen | Ja |
| Senior-Level Frontend-Skill | 3+ Jahre mit Next.js, Nuxt, oder React in großen Projekten | Ja |
| TypeScript Standard | Nicht optional, sondern Projekt-Standard | Ja |
| Testing als Standard | Unit, Integration und E2E Tests in jedem Projekt | Ja |
| PIM/CMS Integrations-Erfahrung | Mindestens 2 Projekte mit echter Integration (nicht nur API-Doku gelesen) | Ja |
| GraphQL oder API-Optimierung Skill | Sie verstehen Performance auf API-Ebene, nicht nur Frontend-Speed | Ja |
| commercetools Partner Status (Silver+) | Bronze ist Einstieg, aber Silver/Gold zeigt vertiefte Partnerschaft | Nein, aber gut zu haben |
| Admin-Dashboard Erfahrung | Haben sie auch das Admin-Frontend gebaut, oder nur Storefront? | Ja |
| Documentation & Blog | Teilen sie Wissen oder holen sich nur ab? | Nein, aber positiv |
| Keine Pauschalpreise vor Requirements | Sie verstehen dass jedes Projekt anders ist | Ja |
| Referenzen angefragt und verifiziert | Nicht nur "wir haben Kundenname XY", sondern direkt Kontakt möglich | Ja |
Wie wir bei dasistweb evaluieren
Damit das nicht zu theoretisch bleibt: So gehen wir das Thema an.
Wir bauen seit 2011 Commerce-Projekte mit Shopware und Shopify. Was uns auszeichnet: Wir kennen die Architektur-Muster die gute Headless Commerce Projekte ausmachen, und wir wissen worauf es bei der Agentur-Auswahl ankommt, weil wir viele Entscheider durch genau diese Frage begleitet haben. Aus unserer Erfahrung mit Headless-Architekturen sehen wir immer wieder, dass die Wahl der richtigen Agentur wichtiger ist als die Wahl der Plattform selbst.
Was eine gute commercetools-Implementierung braucht:
- Headless Storefront mit Next.js oder Nuxt (je nach Anforderungen)
- Echte Admin-Applikation (weil der Kunde seine Daten verwalten muss)
- Volle Integration zu PIM (meist Storyblok für Content, Akeneo oder Precompose für Produkte)
- Such-Engine via Algolia oder Elasticsearch
- Payment über Stripe oder ähnliches
- Echtzeit-Sync zwischen Systemen
Das ist kein Schnell-Schnell-Projekt. Es braucht Zeit und Skill. Solche Projekte brauchen 4 bis 6 Senior-Level Developer:innen über 6 bis 12 Monate.
Wenn du ein commercetools-Projekt planst: Ruf uns an. Wir helfen dir die richtige Agentur zu finden oder schauen gemeinsam ob eine andere Architektur besser passt.
Fazit: Die Agentur ist nicht austauschbar
commercetools ist nicht für jedermann und auch nicht für jede Agentur. Das ist OK. Aber wenn du dich für Headless und Composable Commerce entscheidest, brauchst du wirklich jemanden, der das beherrscht.
Achte nicht auf Partner-Status oder Marketingtexte. Achte auf konkrete Erfahrung, auf die letzten 5 Projekte, auf Frontend-Skill und auf API-Design-Verständnis. Achte auf die Fähigkeit, komplexe Systeme zu bauen und zu dokumentieren, damit dein Team es später anfassen kann.
Die richtige Agentur ist 50% deines Erfolgs bei commercetools, die andere 50% sind deine Anforderungen und dein Team. Aber ohne die richtige Agentur wird es schwer.